Abend über der Vratsa-Hochfläche

Mit dem Citan
durch Südosteuropa.

Eine dokumentierte Sommerreise – unterwegs zwischen Route, Orten und Geschichten.

6.009 Kilometer, 23 Tage
durch Südosteuropa.

Von Südbrandenburg führte die Reise über Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Rumänien in den bulgarischen Vratsa-Balkan, weiter nach Sofia, Rila, in die Rhodopen und nach Griechenland. Bei der Routenplanung habe ich Autobahnen und Mautstrecken möglichst gemieden.

Hitze am Wasser, kühle Gebirgsnächte, Donau, Ägäis, Schwarzes Meer und Karpaten prägten mehr als drei Wochen unterwegs. Am 7. August endete die Fahrt wieder zu Hause. Campingplätze nutzte ich unterwegs als Versorgungsstopps: Wäsche waschen, Getränke kühlen und alles für die nächsten Tage vorbereiten.

Auf der Karte kannst du die genaue Reiseroute, die einzelnen Etappen und meine Wanderungen nachvollziehen. Beim Hineinzoomen werden die Strecken und ihre Details genauer sichtbar.

Die ganze Reise auf der Karte
Felsbogen der Wunderbaren Brücken in den Rhodopen
Wunderbare Brücken · Rhodopen

Mit dem Citan durch Südosteuropa

Die komplette dreiteilige Sommerreise.

Über Rumänien · Teil 1/3
Bulgarien & Ägäis · Teil 2/3
Schwarzes Meer & Heimreise · Teil 3/3
  1. Donau & Vratsa
  2. Sofia & Rila
  3. Rhodopen & Ägäis
  4. Schwarzes Meer
  5. Karpaten & Heimweg
Chronologisch weiterlesen

Die Reise, chronologisch.

Tage und Reisebögen stehen als eigene Berichte nacheinander. Fotos, Videos und gefahrene Strecken stehen direkt in der Geschichte, zu der sie gehören.

Südwärts bis in den Vratsa-Balkan.

Über die Slowakei bis zum Ghioroc-See

Am 16. Juli begann die Reise sehr früh in Südbrandenburg. Vor mir lag eine lange Linie durch mehrere Länder, auf der ich Strecke machen wollte, ohne den Citan mit seinen rund 300.000 Kilometern zu überfordern. Über Olmütz führte der Weg nach Komňa und weiter Richtung Slowakei. Schon dieser erste Tag gab den Takt vor: fahren, rechtzeitig anhalten und den Plan an Kraft und Bedingungen anpassen.

Bei Křelov legte ich eine Pause am Wasser ein. Später hielt ich im Grünen bei Komňa, und bei Čremošné kamen Wald, Bach und ein ruhiger Weg am Abend dazu. An einem See machte ich Mittagspause, legte mich für anderthalb Stunden ins Auto und schlief. Solche Stopps waren keine verlorene Reisezeit. Sie machten es möglich, an diesem ersten Tag rund 700 Kilometer in ungefähr 13 Stunden zurückzulegen, ohne daraus eine Gewaltetappe zu machen. Am Ende des Tages hatte ich den Raum Turčianske Teplice erreicht.

Am Freitag ging es über Zvolen, Lučenec, Miskolc und Debrecen weiter nach Oradea. Danach führte die Strecke über Arad zum Ghioroc-See. Ungarn blieb auf der Hinfahrt der schnelle Transitabschnitt; sonst bestimmten Land- und Fernstraßen den Weg. Dadurch dauerte die Reise länger, aber sie bestand nicht nur aus Auffahrten, Raststätten und Leitplanken. Städte, Dörfer, Wälder und die wechselnden Straßen gehörten von Anfang an zur Fahrt.

Bei ungefähr 35 Grad kam auch das iPhone an seine Grenze. Es navigierte, nahm zwischendurch Fahrtvideos auf und stellte den Hotspot bereit. Mehrmals erschien die Temperaturwarnung, Funktionen wurden eingeschränkt und zeitweise stoppte sogar das Laden. Navigation, Kamera und Bord-Internet sollten künftig nicht mehr dauerhaft an einem einzigen Gerät hängen.

Am Ghioroc-See entschied schließlich die Hitze. Erwartet hatte ich einen ruhigen Natursee. Vor Ort war eine Seite als Badezentrum ausgebaut, während auf der anderen Material verfüllt wurde. Mehrere Menschen standen trotzdem mit Zelten dort. Noch einmal in den aufgeheizten Citan zu steigen und einen anderen Platz zu suchen, erschien mir an diesem Abend wenig sinnvoll. Ich blieb am See und beendete dort den zweiten Reisetag.

Gefahrene Etappe und besuchte Orte bis zum Ghioroc-See

Ein Fahrtag, der am Wasser hängen bleibt

Am 18. Juli führte die Route vom Ghioroc-See über Timișoara, Lugoj und Caransebeș weiter nach Süden. Serbien ließ ich vollständig aus und teilte die Navigation dafür in einzelne, überschaubare Abschnitte. Nach den ersten beiden langen Fahrtagen blieb auch dieser Tag von Land- und Fernstraßen geprägt. Nur Ungarn war auf der Hinfahrt bewusst ein schneller Autobahntransit gewesen.

Über Lugoj erreichte ich Orșova. Die Stadt lag zunächst nur auf meiner Strecke, doch aus der Durchfahrt wurde eine richtige Pause an der Donau. Ich machte ein Nickerchen im Auto. Danach setzte ich die Fahrt über Drobeta-Turnu Severin fort.

Auf der Strecke zwischen Orșova und Drobeta-Turnu Severin kam ich am Stauwerk Eisernes Tor I vorbei, auf Rumänisch Porțile de Fier I. Die Anlage liegt in der Donau direkt an der Grenze zu Serbien. Vom rumänischen Ufer konnte ich hinüber nach Serbien schauen. So nah lag das nächste Land auf der anderen Seite des Wassers, während meine Route weiter durch Rumänien führte.

Von Drobeta-Turnu Severin ging es auf der DN56A weiter Richtung Calafat. Die Straße verband an diesem Tag sehr unterschiedliche Eindrücke: den langen Blick über das Wasser in Orșova, die Fahrt durch den Südwesten Rumäniens und schließlich die flache Landschaft vor der bulgarischen Grenze. Es war weiterhin ein Fahrtag, aber die Pausen am Wasser gaben ihm einen eigenen Rhythmus.

Kurz vor Calafat hielt ich auf der rumänischen Seite noch einmal an. Weniger als einen Kilometer vor der Brücke und der Grenze ging ich in der Donau baden. Erst danach fuhr ich zur großen Brücke zwischen Calafat und Vidin. Die Reihenfolge gehört für mich zu diesem Tag: zuerst die Abkühlung im Fluss, dann die Brückenauffahrt, die Grenze und die Weiterfahrt nach Bulgarien.

Für die Überfahrt wurden vor Ort sechs Euro Brückenmaut fällig. Hinter der Brücke lag Vidin und damit das nächste Reiseland. Rumänien war nicht einfach mit einem Grenzschild beendet; der Übergang geschah sichtbar über den Fluss. Aus der Pause in Orșova und dem Bad bei Calafat wurde so ein zusammenhängender Donauabschnitt der Hinfahrt.

Bis zum späteren Schlafplatz im Vratsa-Balkan war der Tag noch lange nicht zu Ende. Trotzdem blieben gerade Orșova und Calafat hängen, weil beides aus einfachen Stopps entstand. Ich hatte keine zusätzliche Stadtrunde geplant und auch keinen langen Badetag vorgesehen. Ich hielt an, als es passte, ruhte mich aus und fuhr danach weiter. Genau diese kleinen Entscheidungen machten aus der Strecke eine Reise.

Orșova · an der Donau

Zwei gefahrene Donau-Etappen

Von Vidin in die kühle Höhe und weiter nach Sofia

Nach der Donaubrücke und Vidin führte die Reise weiter in den Vratsa-Balkan. Unten lagen die Temperaturen bei ungefähr 38 Grad. Dann begann ein rund 17 Kilometer langer Anstieg über eine Serpentinenstraße. Mit jeder Kurve gewann der Citan an Höhe, bis ich schließlich die Hochfläche auf ungefähr 1.400 Metern erreichte. Beim Zubettgehen zeigte sich der Unterschied deutlich: Oben waren es nur noch etwa 22 Grad.

Der zunächst angesteuerte Platz war landschaftlich stark. Dort endeten mehrere Wanderwege, und an diesem Sonnabendabend waren noch viele Menschen unterwegs. Ein schöner Ort ist aber nicht automatisch der richtige Schlafplatz. Mein Gefühl sprach an diesem Abend dagegen, direkt dort zu bleiben. Einige Meter weiter endete die Straße an einem Waldweg. Seitlich davon fand ich einen unauffälligen Platz für die Nacht.

Auf einen Drohnenflug verzichtete ich. Der Wind, das Gebirge und meine damals noch geringe Flugpraxis waren zusammen ein guter Grund, die Drohne im Auto zu lassen. Es wäre unsinnig gewesen, sie für ein spektakuläres Bild gleich zu Beginn der Reise in schwierigem Gelände zu riskieren. Für den ersten richtigen Reiseflug sollte später ein ruhigerer Ort mit mehr Spielraum kommen.

Am Schlafplatz gab es keinen Mobilfunkempfang. Damit fielen nicht nur Nachrichten aus. Unterwegs hing auch die Verbindung für die Arbeit und die Fotosicherung am Telefon. Bereits seit Tagen stockte die Übertragung der Aufnahmen in die iCloud, weil das iPhone während der Fahrt als Navi, Kamera und Hotspot arbeitete. Die Ruhe auf der Hochfläche hatte deshalb eine ganz praktische Kehrseite.

Die Nacht blieb als besonders schöne Erfahrung in Erinnerung. Nach der Hitze brachte die Höhe eine angenehme Temperatur, Ruhe und Gebirgsatmosphäre. Bis hierher hatte der Citan seit dem Start in Südbrandenburg 1.824 Kilometer zurückgelegt. Der Platz am Waldweg war genau die Art ruhiger Zwischenhalt, für die der kleine Ausbau gedacht war.

Am Morgen fuhr ich ein Stück den Berg hinunter, bis wieder Mobilfunk verfügbar war. Danach ging es über Vratsa auf die letzte Etappe Richtung Sofia. Für den Campingplatz Sunset Garden lagen noch ungefähr 116 Kilometer vor mir, und die Ankunft war ohne Zeitdruck möglich. Um 12:30 Uhr erreichte ich den Platz sicher. Damit war die viertägige Hinfahrt abgeschlossen.

Vratsa-Hochfläche

Zwei gefahrene Etappen bis Sofia

Arbeiten, ankommen und weiter ans Meer.

Ein Reisetag wird zum Entwicklungstag

Nach der Ankunft blieb der Citan im Sunset Garden auf der Wiese stehen. Der Platz war einfach und funktional, mit viel Grün, einer schattigen Terrasse und einer Außendusche. Nach vier Fahrtagen war er zuerst Ankunftsort und Versorgungsbasis. Einen Tag später wurde er außerdem zu einem mobilen Arbeitsplatz, an dem eine Idee aus den ersten Reisekilometern konkrete Form annahm.

Unterwegs hatte sich gezeigt, was mir für diese Reise fehlte. Die tatsächlich gefahrene Strecke sollte zuverlässig aufgezeichnet werden, auch wenn das iPhone gesperrt war oder zeitweise kein Netz hatte. Die Daten sollten zuerst lokal erhalten bleiben. Außerdem musste klar getrennt sein, was nur als Route geplant war und was der Citan wirklich gefahren war. Aus diesen Anforderungen entstand die eigene App „On The Right Way“.

Am 20. Juli begann ich im Sunset Garden mit der Umsetzung. Nach ungefähr fünf Stunden gemeinsamer Entwicklungsarbeit funktionierte die erste Fassung bereits. Sie konnte GPS-Punkte im Hintergrund erfassen, Unterbrechungen abfangen und die reale Spur von einer geplanten Strecke trennen. Die App war kein Produkt aus einer abstrakten Wunschliste, sondern eine direkte Antwort auf Situationen, die während der Anreise tatsächlich aufgetreten waren.

Die Aufzeichnungen und Standorte sollten privat bleiben. Erst eine bewusste Auswahl durfte später einen Teil davon im Reiseblog zeigen. Geplant waren außerdem ein Streckenarchiv, eine native Karte und die Verbindung von Etappen, besuchten Orten und Reisegeschichten. Auf der schattigen Terrasse bekam die Reise damit ihr eigenes digitales Logbuch.

Seit diesem Tag lief die App auf den echten Fahrten mit. Fehler, unklare Anzeigen und fehlende Funktionen zeigten sich nicht in einem künstlichen Test, sondern auf der Straße. Einige Punkte wurden direkt unterwegs nachvollzogen und korrigiert, andere kamen auf die Liste für die nächsten Etappen. Die Reise wurde damit zum Feldtest für ein Werkzeug, das aus ihr selbst entstanden war.

Der Citan konnte stehen bleiben, während Termine, Versorgung und Arbeit zusammenkamen. Später bewertete ich den Sunset Garden positiver als beim ersten Eindruck: eigenartig, aber angenehm und funktional. Zwischen Wiese und Terrasse begann hier ein Projekt, das mich durch den weiteren Urlaub begleiten sollte.

Rundfahrt durch Sofia

Dreimal zwischen Stadt und Rila-Raum

Am Morgen des 21. Juli fuhr ich vom Sunset Garden in den Rila-Raum. Der vorher ausgewählte Platz bei Pastra erwies sich vor Ort als Volltreffer: eine Wiese unmittelbar an der Rilska, mit dem Heck des Citan nur ungefähr zwei Meter vom Wasser entfernt. Die letzten 50 bis 100 Meter der Zufahrt waren langsam und mühsam, mit dem kleinen Citan aber erreichbar.

Der erste Besuch blieb an diesem Tag nur eine Erkundung. Für einen Termin musste ich zurück nach Sofia und fuhr am Nachmittag dieselbe Richtung wieder hinaus. Insgesamt legte ich die Strecke zwischen Sofia und dem Rila-Raum dreimal zurück: morgens nach Pastra, von dort zurück in die Stadt und am Abend erneut an den Fluss. Insgesamt kamen an diesem Tag rund 390,5 Kilometer zusammen. Die Autobahn ließ ich jedes Mal liegen.

Stattdessen nahm ich die Strecke durch die Berge und Dörfer. Von der Entfernung her war sie ähnlich lang oder etwas kürzer, benötigte pro Fahrt aber ungefähr eine halbe Stunde mehr. Dafür war sie landschaftlich auf allen drei Fahrten außergewöhnlich schön. Im Gebirge südlich von Sofia lagen die Temperaturen am Nachmittag bei ungefähr 23 Grad, deutlich angenehmer als an den heißen Tagen zuvor.

Gegen 19:30 Uhr erreichte ich Pastra wieder. Der gewünschte Platz auf der Wiese war noch frei. Kurz nach der Rückkehr begann es zu donnern und zu regnen. Der Citan stand mit dem Heck zum Fluss, und die Rilska bestimmte die Geräuschkulisse des Abends. Nach einem Tag mit drei längeren Fahrten war kein weiteres Programm nötig.

Die erste Nacht an diesem freien Platz war ruhig und erholsam. Am nächsten Morgen war ich früh wach. Fluss, Wiese und Standplatz wirkten unverändert, und der Platz eignete sich für einen langsamen Start in den Tag. Eine kleine Spinne hatte über Nacht an den Hecktüren ein Netz gebaut und darin bereits eine Mücke gefangen. Ihre Unterkunft hatte sich damit praktisch bezahlt gemacht.

Der Morgen zeigte auch, was am Citan-Ausbau noch fehlte. Das Bett brauchte für längere Standzeiten eine richtige Lehne, damit es im Stand als Couch funktionieren konnte. Auf einem freien Naturplatz wollte ich den Laptop nicht auffällig draußen aufbauen. Der Innenraum musste deshalb zugleich Schlafplatz, Rückzugsort und Arbeitsplatz sein. Diese einfache Erkenntnis entstand nicht am Schreibtisch, sondern beim Sitzen am Fluss.

Früh hinauf zum Kloster

Am Morgen des 22. Juli fuhr ich vom Platz an der Rilska hinauf zum Rila-Kloster. Die Strecke war kurz genug, um den Tag nicht mit einer weiteren großen Fahretappe zu füllen. Nach drei Fahrten zwischen Sofia und dem Rila-Raum am Vortag blieb diesmal Zeit für einen ruhigen Vormittag mit nur einem Ziel.

Ich erreichte das Kloster vor dem großen Besucherstrom. Eine Stunde früher wäre es noch ruhiger gewesen, doch auch so passte das Zeitfenster gut. Im Hof standen die mehrgeschossigen Arkaden um die Klosterkirche, deren bemalte Außenflächen den Blick immer wieder festhielten. Zwischen den Gebäuden blieb genug Raum, um den Ort in Ruhe zu Fuß zu erkunden.

Nach den langen Straßen der Hinfahrt und den Tagen rund um Sofia führte dieser Morgen bewusst nur zu einem einzigen Ziel. Ich musste keine Liste abarbeiten und keine zusätzliche Schleife anhängen. Das Kloster, seine bemalten Arkaden und die Fahrt durch den Rila-Raum füllten den Vormittag vollständig aus.

Nach dem Rundgang fuhr ich dieselbe Strecke wieder hinunter und kehrte an den vertrauten Platz am Fluss zurück. Dort blieb Zeit für eine ruhige Mittagspause und ein Mittagsschläfchen. Der Wechsel aus frühem Besuch und anschließendem Stillstand passte besser zu diesem Tag, als direkt den nächsten Programmpunkt anzusteuern.

Auch „On The Right Way“ war wieder dabei. Aus der täglichen Nutzung hatten sich kleinere Fehler ergeben, die ich am Naturstellplatz nachvollziehen und korrigieren konnte. Die App entstand weiterhin dort, wo sie gebraucht wurde: auf den echten Fahrten, an freien Standplätzen und zwischen den einzelnen Reisezielen.

Am Nachmittag brach ich Richtung Sapareva Banya auf. Für Camping Verila hatte ich auf E-Mail und SMS noch keine Antwort erhalten, fuhr aber trotzdem hin. Der Platz war erreichbar und hatte Kapazität. Nach dem frühen Klosterbesuch, der Pause an der Rilska und der kurzen Weiterfahrt endete der Tag damit wieder auf einem festen Campingplatz.

Rila · unterwegs

Elf Grad, Versorgung und App-Arbeit

Camping Verila bei Sapareva Banya wurde für zwei Nächte meine Basis. Nach den freien Plätzen im Vratsa-Balkan und an der Rilska war der feste Stellplatz ein bewusster Versorgungsstopp. Der Citan stand mit Strom, und es gab gepflegte Duschen und Toiletten, eine Küche, eine Waschmaschine und eine Möglichkeit, die Getränkeflaschen für den nächsten Kühlzyklus einzufrieren.

Der erste Rundgang korrigierte den eher schlichten Eindruck der Fotos. Die Sanitäranlagen wirkten neu gemacht und waren in einem guten Zustand. Für beide Nächte kostete der Stellplatz zusammen rund 38 Euro und damit deutlich weniger als der zuvor bei Booking sichtbare Preis.

Am Morgen des 23. Juli zeigte die Handy-App ungefähr elf Grad. Nach den heißen Fahrtagen saß ich plötzlich mit Jacke draußen. Die Nacht war angenehm kühl, auch wenn sie früh endete. Der starke Temperaturwechsel gehörte inzwischen zur Reise: tags zuvor noch Sommerhitze, nun ein Morgen, an dem zusätzliche Kleidung selbstverständlich war.

Ein Teil des Aufenthalts blieb der Versorgung vorbehalten. Die Wäsche wurde gewaschen und aufgehängt, auch wenn die Leine etwas kurz war. Wasser, Kaffee und Zucker wurden nachgefüllt. Solche einfachen Arbeiten waren nötig, damit die nächsten freien Standplätze wieder ohne unmittelbare Infrastruktur funktionieren konnten.

Daneben arbeitete ich weiter an „On The Right Way“. Die App lief inzwischen täglich auf den echten Fahrten und zeigte dadurch schnell, wo Anzeigen unklar waren oder Funktionen fehlten. Camping Verila bot Strom und einen festen Rahmen, um diese Punkte zu bearbeiten. Der Aufenthalt war deshalb Pause, Werkstatt und Entwicklungszeit zugleich.

Zwischendurch ging ich mehrfach zu Fuß durch Sapareva Banya. Die Wege führten an alten Häusern und einem Wasserlauf entlang, über einen Freilichtplatz und bis zu einer kleinen historischen Kirche. Die Stadt war kein großer geplanter Besichtigungspunkt. Gerade deshalb passten die Runden gut zwischen Wäsche, Versorgung und App-Arbeit.

Am 24. Juli lag noch ein letzter Termin in Sofia vor mir, bevor die Reise wieder vollständig in Richtung Süden führte. Camping Verila hatte seinen Zweck erfüllt: Der Citan war versorgt, die Wäsche sauber, die Kühlung vorbereitet und die Technik geladen. Danach konnte die Fahrt in die Rhodopen beginnen.

Am Abend hinein ins Gebirge

Der 24. Juli begann noch mit den letzten Handgriffen auf Camping Verila: Die Wäsche war gewaschen, die Getränkeflaschen für den nächsten Kühlzyklus waren eingefroren, Wasser, Kaffee und Zucker aufgefüllt. Der letzte Termin in Sofia war für 15 Uhr angesetzt. Danach führte die Reise wieder in die Berge. Bei Yugovo zog sich die Straße zwischen steilen, bewaldeten Hängen durch das Tal.

Ich hielt unterwegs mehrfach an und ging an einigen Stellen auch zu Fuß weiter. Kleine Stopps am Straßenrand, ein Rastplatz im Wald und die Blicke in die tiefen Täler unterbrachen die Fahrt. Es ging nicht darum, eine eigene lange Wanderung daraus zu machen. Die Pausen boten die Möglichkeit, die Strecke außerhalb des Autos wahrzunehmen, bevor ich den nächsten Abschnitt der Bergstraße fuhr.

Die Bedingungen unterschieden sich deutlich von den heißen Tagen der Anreise. Am Abend kamen Regen und Nebel auf, und die Temperatur lag bei ungefähr zehn Grad. Die Fahrbahn war nass, und die Wolken hingen tief zwischen den Hängen. Nach Rumänien, der Donau und den warmen Tagen rund um Sofia wirkte dieser Wechsel wie eine andere Jahreszeit.

Der Citan stand schließlich auf ungefähr 1.500 Metern Höhe. Für die Nacht war noch niedrigere Temperatur angekündigt. Schon die kühle Luft am Abend war ein bewusster Gegenpol zur Hitze, die auf dem weiteren Weg nach Griechenland wieder zu erwarten war. Im Gebirge ließ es sich ruhiger schlafen als in einem aufgeheizten Fahrzeug an der Küste oder in der Ebene.

Am nächsten Morgen lagen die Temperaturen in den Rhodopen bei ungefähr sechs Grad. Danach sollte es zu den Wunderbaren Brücken gehen. Zugleich stand der erste echte Wandertest für „On The Right Way“ bevor. Nach den bisherigen Fahrten sollte die App nun zeigen, wie sie eine Strecke zu Fuß aufzeichnet und welche Probleme erst abseits der Straße auftreten.

Orte dieses Reiseabschnitts

Umkehren und zu Fuß weiter

Am 25. Juli führte mich der Weg in den Rhodopen zu den Wunderbaren Brücken. Schon die Anfahrt machte klar, dass der Tag nicht einfach nach Plan verlaufen würde. Ein zuvor ausgesuchter Punkt lag an einer Piste mit tiefen Fahrspuren, nassen Stellen und felsigen Passagen. Die letzten Tage hatte es im Gebirge geregnet, entsprechend aufgeweicht war die Zufahrt. Der Citan setzte auf der Auffahrt zweimal auf, und am markierten Punkt gab es keine brauchbare Ausweichstelle neben dem Weg. Damit war die Entscheidung gefallen: umdrehen, bevor aus Neugier ein ernstes Fahrzeugproblem wird. Die letzten Kilometer mussten auch anders zu schaffen sein.

Ich stellte den Citan ab und ging den restlichen Weg zu Fuß. So kam ich zu den mächtigen natürlichen Felsbögen, die mitten im Wald wie Brücken über dem Gelände stehen. Der Weg führte an hellem Gestein entlang, unter die Bögen und durch Öffnungen, in denen sich Fels, Wald und Himmel immer wieder anders rahmten. Zwischen den steilen Flächen wirkten die Höhe und die schiere Masse des Gesteins besonders eindrucksvoll. Auf enge Durchgänge folgten offene Blicke in den Wald und hinauf zu den Bögen.

Gerade nach der schwierigen Zufahrt war der Fußweg die richtige Fortsetzung. Aus dem abgebrochenen Versuch mit dem Auto wurde kein verlorener Vormittag: Ich kehrte rechtzeitig um und ging trotzdem weiter. Hinter der rauen Piste warteten die Felsbögen, nur eben nicht am Ende einer Fahrt. Für künftige Touren bleibt daraus eine einfache Regel: Wenn eine Zufahrt nach Regen tief ausgefahren, felsig oder ausdrücklich nicht für normale Straßenfahrzeuge geeignet ist, bleiben die letzten Kilometer ein Wanderweg.

Nach den Wunderbaren Brücken führte der Weg weiter in die Berglandschaft bei Zabardo. Am Nachmittag begann dort noch eine zweite Wanderung mit einem anderen Ziel. So wurde aus dem zweimaligen Aufsetzen nicht das Ende des Tages, sondern die Grenze zwischen Auto und Wanderschuhen. Hinter ihr lagen erst die gewaltigen Steinbögen und später noch einmal Waldwege, Bergwiesen und die offenen Höhen der Rhodopen.

Orte dieses Reiseabschnitts

Zwischen Felsgipfeln und weiten Bergwiesen

Nach dem Vormittag an den Wunderbaren Brücken zog es mich am 25. Juli bei Zabardo noch einmal zu Fuß ins Gebirge. Gegen 15:53 Uhr war ich auf dem Weg zu einer alten Festung. Hinter dem Dorf stieg der Weg zwischen Wald und Felsen in die Rhodopen hinauf. Aus dem Vormittag unter den großen Steinbögen wurde damit ein ganzer Tag zu Fuß in dieser Berglandschaft.

Zunächst folgte ich ungefähr zwei Kilometer lang dem falschen Weg. Als sich der Irrtum zeigte, musste ich dieselbe Strecke wieder zurückgehen. Allein dadurch kamen rund vier zusätzliche Kilometer zusammen. Auf dem Rückweg begegnete mir ein laut rufender Quadfahrer. An einem Baum oder Wegpunkt fotografierte ich mehrere Markierungen und ein stark verwittertes Schild. Mehr ließ sich daraus später nicht sicher lesen; selbst die Bedeutung der Zeichen blieb offen. Vier Kilometer Umweg lagen da bereits hinter mir, bevor der eigentliche Weg wieder vor mir lag.

Der weitere Weg führte über steinige Waldwege, an einer kleinen gefassten Quelle vorbei und hinaus auf offene Bergwiesen. Über den bewaldeten Tälern standen Felsgipfel, dazwischen öffneten sich weite Blicke über Wiesen und Hänge. Erst verlief der Pfad eng zwischen den Bäumen, dann lag plötzlich freies Gelände vor mir; dahinter folgten wieder Fels und die nächsten Höhenzüge der Rhodopen. Quelle, Wiesen und Panorama wechselten einander auf wenigen Kilometern ab.

Später fand ich im Gebirge einen Platz nahe der Straße für die Nacht. Griechenland wurde an diesem Tag nicht mehr erzwungen; am folgenden Morgen sollte es zunächst Richtung Smoljan und danach weiter nach Süden gehen. Hinter mir lagen ein falscher Abzweig, vier zusätzliche Kilometer und der ständige Wechsel aus Wald, Fels und offenen Bergwiesen. Erst am nächsten Tag sollte die Fahrt aus den Rhodopen weiter in Richtung Griechenland führen.

Orte der Wanderung

Aus dem Gebirge ans Ägäische Meer

Am 26. Juli ließ ich die kühlen Höhen der Rhodopen hinter mir und fuhr weiter nach Süden. In Smoljan erledigte ich den nächsten Versorgungsstopp, danach führte die tatsächliche Strecke über Slatograd, Benkowski und Makasa. Auf der südlichen Seite des Gebirges tauchte zum ersten Mal ein Schild auf, das Griechenland nur noch 23 Kilometer entfernt ankündigte. Hinter dem Grenzkorridor über Makasa und Nymfaia öffnete sich die Landschaft. Nach den engen Straßen und bewaldeten Hängen der vergangenen Tage war das ein sichtbarer Wechsel: Das Gebirge lag hinter mir, die Ägäis vor mir.

Noch am selben Tag erreichte ich Camping Natura bei Mandra Beach. Der Platz hatte freie Kapazität und war überwiegend mit bulgarischen Familien und Dauercampern belegt. Für eine Person im Citan kostete die Nacht 29 Euro; Strom und Waschmaschine waren im Preis enthalten. Bis zum Strand waren es ungefähr fünfzig Meter, dazwischen verlief nur eine schmale Straße. Die Lage direkt am Meer empfand ich als traumhaft, und die stetige Brise an der Küste war angenehm.

Der Halt war zugleich ein vollständiger Versorgungsreset. Ich duschte, wusch die Wäsche, kümmerte mich um Essen und sortierte den Citan neu. Beim Strom zeigte sich allerdings eine ganz praktische Lücke in meiner Ausrüstung: Der Anschluss lag ungefähr zwei Stellplätze entfernt, mein eigenes Kabel reichte nicht, und die vorhandenen Leihkabel waren bereits vergeben. Seitdem gehört ein ausreichend langes, für draußen geeignetes Verlängerungskabel fest auf die Liste für künftige Reisen.

Am Abend stand der Mond über dem Wasser. Nach Regen, Nebel, rauen Zufahrten und kalten Nächten im Gebirge war ich nun an der Ägäis angekommen. Dieser Übergang war mehr als eine Ortsveränderung: Am Morgen lag noch die Strecke durch die Rhodopen vor mir, am Abend standen Wäsche, Dusche, Strom und das Meer direkt neben dem Stellplatz. Zwei Nächte waren gebucht. Der Campingplatz blieb dabei vor allem eine Versorgungsstation; die schöne Lage am Meer begann gleich hinter der schmalen Straße.

Orte dieses Reiseabschnitts

Sechzehn Kilometer an der Küste

Am 27. Juli brach ich gegen neun Uhr zu einer langen Runde zwischen Mandra und Avdira auf. Bis ungefähr 14 Uhr war ich mehr als fünf Stunden zu Fuß unterwegs; am Ende waren es rund sechzehn Kilometer. Der Weg führte an Buchten und trockener Küstenlandschaft entlang und schließlich über die als „Ancient Roads“ bezeichneten alten Wege zu Ruinen. Ich besuchte die Mauerreste und ging nicht nur an einem historischen Ort vorbei. Dazwischen lag immer wieder der Blick über die Ägäis, sodass sich Meer, steinige Wege und die antiken Spuren zu einem zusammenhängenden Tagesabschnitt verbanden.

Das antike Abdera wurde in der Mitte des 7. Jahrhunderts vor Christus gegründet und entwickelte sich zu einer bedeutenden Stadt an der nördlichen Ägäis. Erhalten beziehungsweise ausgegraben sind unter anderem Stadtmauern, Wohnbereiche, Hafenanlagen, ein Theater und ein antiker Straßenverlauf. Auch am Petralofos und südlich des heutigen Ortes Mandra liegen antike Steinbrüche. Zwischen Küstenweg und Ruinen öffnete sich damit ein Teil der antiken Landschaft Nordgriechenlands vor mir.

Unterwegs machte ich in einem Olivenhain Pause. Nach den Kilometern auf den trockenen Wegen war das ein klarer Ruhepunkt dieser Runde. Danach setzte ich die Wanderung zwischen Küste und Ruinen fort. Auch ein altes Boot blieb als Bild dieses Tages hängen. Es waren gerade diese unterschiedlichen Motive, die den Weg so dicht machten: das offene Meer, die alten Steine, Olivenbäume und ein Boot, das sichtbar zur heutigen Küstenlandschaft gehörte.

Die große Hitze machte die sechzehn Kilometer anstrengend. Es war keine kleine Strandrunde, sondern eine mehr als fünfstündige Wanderung durch eine Landschaft, in der mehrere Zeitschichten nebeneinanderlagen. Am Campingplatz waren überwiegend bulgarische Familien; die direkte Verständigung auf Englisch war nicht immer einfach. Die stetige Meeresbrise blieb angenehm. Am nächsten Morgen endete der Aufenthalt an der Ägäis, und ich setzte die Reise wieder Richtung Bulgarien fort.

Historischer Hintergrund: Griechische Kulturverwaltung.

Orte dieses Reiseabschnitts

Ruinen, Wind und das Schwarze Meer

Am 28. Juli führte die Reise zurück nach Bulgarien und weiter an das Schwarze Meer. Die Fahrt von Griechenland zurück nach Bulgarien war für mich eine Gewalttour. Auf der Autobahn wäre ich beinahe eingeschlafen und musste mehrere Zwangspausen einlegen, bevor ich Deultum und schließlich das Schwarze Meer erreichte. Bevor ich die Küste erreichte, hielt ich bei den Ausgrabungen von Deultum nahe Debelt. Im 1. Jahrhundert nach Christus entstand hier eine römische Veteranenkolonie, die als älteste römische Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien gilt. Zwischen den freigelegten Mauern liegen Spuren von Thermen, Straßen, Kanalisation und weiteren öffentlichen Anlagen. Der Halt war kurz, doch die Ruinen setzten einen historischen Zwischenpunkt auf der Strecke zwischen Grenze und Küste.

Danach besuchte ich Aquae Calidae. Der dicht bebaute Ort sagte mir wenig zu, also fuhr ich weiter. Am frühen Nachmittag erreichte ich den ausgewählten öffentlichen Stellplatz bei Port Sarafovo. Dort lag auf dieser Reise zum ersten Mal das Schwarze Meer vor mir, Burgas zeichnete sich im Hintergrund ab. Der Parkplatz befand sich an beziehungsweise gegenüber einem Jachthafen. Neben einigen Ladepunkten für Elektroautos blieben nur ungefähr fünf normale Stellplätze.

Am Ufer gab es einen kleinen Strandabschnitt von etwa zehn Metern, der übrige Bereich war mit Felsen befestigt. Der Platz wirkte etwas unsauber, doch der Wind machte den Aufenthalt erträglicher. Das Wasser war weniger klar als an der Ägäis, schimmerte aber trotzdem türkis. Für den Citan war die Lage ein kleiner Kompromiss: Auf dem engen Parkplatz ließ sich das Auto nicht gleichzeitig privat zur Straße und optimal für die Querlüftung ausrichten.

Nachdem ich Burgas durchquert hatte, blieb ich für die Nacht direkt am Schwarzen Meer. Der Citan stand nur etwa zwei Meter vom Wasser entfernt. Nach der anstrengenden Fahrt war hier für diesen Tag Schluss. Hafen, schmaler Uferstreifen, Felsen und die Silhouette von Burgas lagen dicht beieinander. Nach den Tagen in Griechenland war das Schwarze Meer ein neuer Küstenabschnitt der Reise. Von hier ging es weiter nach Norden, zunächst entlang der Küste und am folgenden Morgen in die historische Altstadt von Nessebar.

Historischer Hintergrund: Archäologisches Reservat Deultum.

Orte dieses Reiseabschnitts

Am Morgen durch die alte Stadt

Am 29. Juli ging ich früh durch Alt-Nessebar. Von circa acht bis circa neun Uhr hatte ich eine Stunde, bevor die Hitze stärker wurde. In dieser kurzen Zeit lagen Hafen, steinerne Gassen, alte Kirchen und das Meer überraschend dicht beieinander. Die Wege über die kleine Halbinsel gingen immer wieder bergauf und bergab. Aus einer Stunde wurde dadurch kein oberflächlicher Rundgang; selbst auf kurzer Strecke wechselten sich Mauern, Plätze, Kirchenfassaden, Holzhäuser und freie Blicke über das Schwarze Meer ständig ab.

Die UNESCO beschreibt Nessebar als einen Ort mit mehr als dreitausendjähriger Geschichte. Die Anfänge liegen in einer thrakischen Siedlung; zu Beginn des 6. Jahrhunderts vor Christus wurde daraus eine griechische Kolonie. Später prägten römische, byzantinische und mittelalterliche Epochen die Stadt. Auf der felsigen Halbinsel blieben Befestigungen, Kirchen und die Struktur der alten Siedlung in ungewöhnlicher Dichte erhalten. Seit 1983 gehört die Altstadt zum UNESCO-Welterbe.

Besonders sichtbar wird diese lange Geschichte an den Kirchen. Einige stehen noch als geschlossene Bauwerke zwischen den Gassen, von anderen sind Mauern und Bögen geblieben. Dazwischen prägen Häuser mit steinernem Untergeschoss und hölzernen Obergeschossen das Stadtbild. Diese Mischung wirkt nicht wie ein einzelnes Museumsgelände. Sie verteilt sich über die ganze Halbinsel und begegnet einem zwischen bewohnten Häusern, kleinen Plätzen, Hafen und Ufer immer wieder neu.

Für mich lag genau darin der Reiz von Nessebar. Ich musste keinem festen Rundgang folgen, um die verschiedenen Schichten zu sehen. Ein paar Schritte führten von einer engen Steingasse zu einer Kirche, dann weiter zu einer Festungsmauer oder direkt an das Meer. Die Halbinsel ist klein genug, dass all das nah beieinanderliegt, und zugleich reich genug, dass eine Stunde nur einen ersten Eindruck geben konnte.

Nach dem ausgedehnten Rundgang mit seinen vielen Steigungen und Gefällen setzte ich mich mit einem kalten Getränk auf eine Bank im Schatten. Von dort ließ ich die Stunde zwischen Mauern, Kirchen, Holzhäusern und Meer noch einmal nachwirken. Danach ging die Reise weiter nach Norden. Nessebar blieb als kompakter Ort in Erinnerung, an dem mehr als dreitausend Jahre Geschichte nicht nur auf einer Tafel stehen, sondern im heutigen Stadtbild auf engem Raum sichtbar sind.

Historischer Hintergrund: UNESCO: Altstadt Nessebar.

Orte dieses Reiseabschnitts

Unter Bäumen zurück ans Meer

Nach dem morgendlichen Rundgang durch Alt-Nessebar fuhr ich am 29. Juli weiter an der Schwarzmeerküste nach Norden. Das nächste Ziel war Shkorpilovtsi. Der Campingplatz lag unter Bäumen und bot einen schattigen Gegenpol zu den heißen Wegen durch Nessebar. Wie die anderen Campingplätze auf dieser Reise war er für mich vor allem eine Versorgungsstation: Wäsche waschen, Getränke kühlen und die Dinge im Citan wieder in Ordnung bringen. Der eigentliche Reiseort begann außerhalb des Platzes.

Ich ging spazieren und folgte dem Weg durch den lichten Wald bis zum langen Sandstrand. Dort reichte ein Steg weit ins Schwarze Meer. Ich ging auf den Steg und hielt meine Füße ins Wasser. Nach den historischen Gassen und vielen Steigungen in Nessebar lag nun die offene Küste vor mir: Wald, Sand und der lange schmale Weg hinaus über das Wasser. Der Spaziergang, der Steg und die Füße im Meer wurden zum Küstenmoment dieses Tages.

Auf dem Campingplatz unterhielt ich mich außerdem mit anderen Campern. Die Begegnungen gehörten ebenso zum Aufenthalt wie der Weg ans Wasser. Zwischen dem schattigen Platz und dem Strand blieb Zeit für Gespräche und zugleich für den praktischen Zweck des Campinghalts. Shkorpilovtsi war touristisch, wirkte während meines Besuchs aber nicht so extrem überrannt. Nach meinem persönlichen Eindruck lohnt es sich, dort einmal hinzufahren.

In Shkorpilovtsi ordnete ich auch die verbleibende Reise neu. Bis zur geplanten Heimkehr am 7. August blieben noch neun Tage. Die bisherige Idee, weiter über Varna und Constanța an der Küste entlangzufahren, hätte den Bogen noch einmal deutlich nach Norden verlängert. Ich strich deshalb beide Städte aus dem Plan. Die Route drehte von der Küste ins Landesinnere und bekam mit Ivanovo einen neuen festen Punkt.

Damit wurde Shkorpilovtsi zum letzten Küstenhalt vor der Rückreise durch das Landesinnere. Am nächsten Tag änderte sich die Kulisse vollständig: Statt weiterer Hafenstädte und Strandpromenaden lagen nun die Felsenkirchen von Ivanovo und die Schlucht des Rusenski Lom auf dem Weg Richtung Rumänien. Zurück blieben der Spaziergang durch den Wald, der Steg, die Füße im Schwarzen Meer und die Gespräche zwischen den Campern.

Orte dieses Reiseabschnitts

Die Schlucht bleibt stärker als das Kloster

Am 30. Juli verließ ich die Schwarzmeerküste und fuhr in den Norden Bulgariens, nahe der rumänischen Grenze. Mein Ziel waren die Felsenkirchen von Ivanovo im Tal des Rusenski Lom. Schon ihre Lage unterscheidet den Ort von einem frei stehenden Kloster: Die Kirchen, Kapellen, Zellen und Klosterräume wurden in natürliche Höhlungen eines Felsmassivs gearbeitet. Seit dem 12. Jahrhundert ließen sich hier Einsiedler nieder und formten nach und nach einen weit verzweigten religiösen Ort.

Die UNESCO führt die Felsenkirchen seit 1979 als Welterbe. Besonders wertvoll sind die erhaltenen Wandmalereien aus dem 13. und 14. Jahrhundert. In den zugänglichen Felsräumen waren sie direkt an Wänden und Decken zu sehen. Draußen lagen schmale Felspassagen und Öffnungen, durch die sich der Blick wieder in die Landschaft zog.

Unterhalb der Felsenkirchen öffnete sich die grüne Schlucht des Rusenski Lom. Felswände, Wald und der tiefe Einschnitt im Gelände gaben dem Ort zusätzliches Gewicht. Die Schlucht wirkte auf mich stärker als das Kloster selbst. Zwischen den bemalten Felsräumen und dem weiten Blick ins Tal wechselte der Maßstab innerhalb weniger Schritte vollkommen.

Anschließend fuhr ich zum Campingplatz bei Koshov. Dort bekam ich zunächst keinen Schattenplatz. Dafür lag die Schlucht direkt an der Kante des Platzes, und eine Küche war nutzbar. Nach dem Ortswechsel fand ich am Nachmittag Ruhe, um weiter an meiner App On The Right Way zu arbeiten. Vor allem die Routenaufzeichnung beim Wandern machte noch Probleme. Ich arbeitete daran, dass GPS-Punkte zuverlässig gespeichert und auch über Mobilfunk an den Server übertragen wurden. Unterwegs funktionierte das noch nicht durchgehend so, wie es sollte. Statt nur die nächste Etappe zu planen, beschäftigte ich mich an diesem Nachmittag also auch mit den Lücken in der Aufzeichnung.

Ivanovo und Koshov gehörten für mich an diesem Tag zusammen: zuerst die in den Fels gearbeiteten Räume und die Wandmalereien, danach die Schlucht und ein ruhiger Arbeitsabschnitt am Campingplatz. Felsenkirchen, bemalte Innenräume, Wald und der tiefe Einschnitt des Rusenski Lom lagen hier ungewöhnlich dicht beieinander. Gerade dieser Wechsel blieb von meinem Besuch am deutlichsten zurück. Für mich steht fest: Bei diesem einen Besuch wird es nicht bleiben. Nach Ivanovo und Koshov fahre ich definitiv wieder.

Historischer Hintergrund: UNESCO: Felsenkirchen Ivanovo.

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Durch die Karpaten wieder nach Hause.

Ein kühler Platz oberhalb der Stadt

Hinter der Donau und dem langen Durchqueren der Ebene bei Bukarest begann Rumänien noch einmal von vorn: Die Straße stieg in die Karpaten, und mit jedem Höhenmeter wurde die Landschaft weiter und eindrucksvoller. Gleichzeitig wurde das Fahren fordernder. An den offenen Höhen lagen die Pausen nicht mehr irgendwo zwischen zwei Tankstellen, sondern dort, wo ich Aussicht und Konzentration wieder zusammenbekam. Eine großartige Kulisse versprach auf dieser Reise keineswegs automatisch einen entspannten Lenkradtag.

Von Ivanovo bis in den Raum Poiana Brașov wurden ungefähr acht Stunden daraus. Ursprünglich hatte ich mit viereinhalb bis fünf Stunden gerechnet. Dann kamen die Staus bei Bukarest, später der zähe Verkehr in den Karpaten und noch einmal Ploiești dazu. Der Tag zog sich auseinander, bis die Frage nach dem nächsten schönen Ort unwichtig wurde. Entscheidend war nur noch, einen Platz zu finden, an dem ich die Fahrt beenden und die Nacht beginnen konnte.

Im Raum Brașov gelang das. Der freie Schlafplatz im Gebirge war kein großes Ziel auf einer Liste, sondern genau die richtige Antwort auf diesen langen Tag. Beim Zubettgehen lagen die Temperaturen bei ungefähr sechzehn Grad, und ich schlief sehr gut. Nach der Hitze in der Ebene war diese Kühle fast ein eigener Reisegewinn. Für einmal musste dort nichts mehr passieren: kein weiterer Aussichtspunkt, kein zusätzlicher Kilometer, nur Ruhe bis zum Morgen.

Auch an der App arbeitete ich am Nachtstellplatz weiter. Inzwischen ging es nicht mehr nur darum, die Aufzeichnung und Übertragung zuverlässig zum Laufen zu bringen. On The Right Way sollte auch schöner werden, mehr können und sich unterwegs besser nutzen lassen. Hier kamen weltweit verfügbare Wanderkarten und 3D-Wanderkarten dazu; dafür wurde auch auf dem Server weitergearbeitet. Draußen lagen die Berge, auf dem Bildschirm nahm die nächste Idee Gestalt an. So wuchs die App mit der Reise weiter.

Am 1. August führte mich der erste Weg zu Fuß durch den Bergwald. Die aufgezeichnete Wanderung war 4,1 Kilometer lang, dauerte rund eine Stunde und drei Viertel und verlief über Waldwege oberhalb von Brașov. Wegweiser tauchten zwischen den Bäumen auf, schmale Pfade zogen sich durch den Wald, und der Citan blieb für eine Weile dort stehen, wo die Nacht begonnen hatte. Das war kein kurzer Gang neben dem Auto, sondern eine richtige Wanderung mitten in diesem Gebirgstag.

Später fand ich zwischen Brașov und Râșnov einen zweiten Parkplatz direkt an einem Bach. Der Nachtplatz lag schon früh in der Sonne, während es am Wasser voraussichtlich den ganzen Tag kühl geblieben wäre. Beinahe hätte ich daraus eine weitere Nacht in den Bergen gemacht. Dann füllte sich der Platz immer stärker, offenbar wegen einer Höhle in der Nähe. Mit Badesachen und Ausflugsgepäck kamen die Besucher, und gegen dreizehn Uhr begann die Fahrt Richtung Sibiu. Auch der Wetterbericht bestimmte inzwischen die weitere Planung: Für Sibiu waren Temperaturen weit über vierzig Grad angekündigt. Das brachte mich dazu, in Sibiu nach einem Airbnb oder einer anderen Unterkunft mit Klimaanlage zu suchen, möglichst in der Altstadt. Nach der angenehmen Kühle im Gebirge wollte ich für die angekündigte Hitze einen kühlen Rückzugsort haben.

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Făgăraș, Stau und Camping Ananas

Am 1. August fiel mir die Weiterfahrt aus den Bergen schwer. Die Nacht war kühl gewesen, und am Vormittag lag zwischen Brașov und Râșnov noch dieser Platz direkt am Bach vor mir. Selbst in der Mittagshitze blieb es dort angenehm. Im Auto war sogar ein entspanntes Nickerchen möglich. Für einen weiteren Tag im Gebirge sprach vieles: die Kühle am Wasser, die Berge im Rücken und der Gedanke, den Rückweg einfach noch etwas warten zu lassen.

Doch der Parkplatz wurde voller. Eine Höhle in der Nähe brachte immer mehr Ausflügler, Badesachen und Bewegung an den Bach. Die Ruhe verschwand nicht plötzlich, sondern Stück für Stück, bis klar war, dass dieser Ort seinen besten Moment hinter sich hatte. Gegen dreizehn Uhr fuhr ich Richtung Sibiu. Knapp zweihundert Kilometer Rückweg ließen sich damit noch erledigen, auch wenn der schönere Platz eigentlich hinter mir lag.

Die Landschaft machte den Abschied schwer. Die Făgăraș-Berge begleiteten mich über Stunden, und beim Herausfahren tauchten die Karpaten immer wieder im Rückspiegel auf. Ich hielt bewusst an, um diese Kulisse festzuhalten. Aus der Gegenrichtung muss der Blick auf Râșnov und die Berge noch gewaltiger sein, wenn die Gipfel nicht hinter, sondern vor dem Auto liegen. Die Hänge wirkten weniger offen als auf manchen anderen Gebirgsetappen; dadurch ließ sich die Fahrt trotz ihrer Länge etwas leichter nehmen.

Auf der DN1 kam ich trotzdem nur zäh voran. Mehrere Unfälle verstärkten den ohnehin dichten Verkehr auf der schmalen Verbindung. Für die vergleichsweise kurze Strecke war ich ungefähr von vierzehn Uhr bis kurz vor siebzehn Uhr unterwegs. Der Sonnabend zeigte damit beide Seiten: eine außergewöhnlich schöne Straße durch die Berge und ein Vorankommen, das sich kaum nach Kilometerleistung anfühlte.

Camping Ananas bei Sibiu wurde schließlich die pragmatische Lösung. Viel Schatten und etwas Wind durch die erhöhte Lage sprachen für den Platz. Die freien Standplätze der vergangenen Tage hatten mir besser gefallen, doch für dreizehn Euro und genau eine Nacht war Ananas vollkommen in Ordnung. Später fand ich in der Gegend von Camping Ananas noch einen Platz an einem Bach, ein Stück außerhalb von Sibiu in den Bergen. Mitten in der Natur hätte ich dort auch kostenlos für die Nacht bleiben können. Eine weitere Möglichkeit für eine Nacht draußen, abseits der Stadt. Am nächsten Tag wartete Casa Hermanni. Dadurch durfte dieser Halt einfach das sein, was er war: ein Zwischenstopp, der die lange Fahrt beendete und die nächste Ruhepause erreichbar machte.

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Ein kühles Zimmer als Erholungsanker

Nach den heißen Tagen kam Casa Hermanni in Sibiu genau im richtigen Moment. Vom 2. bis zum 4. August hatte ich zwei Nächte vorgesehen, und plötzlich bekam dieser Plan ein ganz konkretes Gewicht: ein richtiges Zimmer, ausschlafen, die Hitze aus dem Auto hinter mir lassen. Die Fahrtage waren lang und manchmal anstrengend gewesen. Jetzt musste für eine Weile kein nächstes Ziel gefunden werden.

Die Ankunft wurde zu einer ausgesprochen positiven Überraschung. Das Dachzimmer war sehr schön, hatte einen eigenen Balkon und vor allem eine Klimaanlage. Bei normalen Sommertemperaturen wären das angenehme Details gewesen. Nach den heißen Etappen machten sie den Unterschied zwischen einer weiteren aufgeheizten Nacht und einem wirklichen Rückzugsort. Die Beschreibung hatte einen guten Eindruck hinterlassen; vor Ort war er noch besser.

Im aufgeheizten Citan zeigte das Thermometer über fünfzig Grad. Es ging kein Wind. Im Zimmer waren es bereits angenehme zweiundzwanzig, und die Klimaanlage stellte ich zunächst auf neunzehn Grad. Als ich noch einmal zum Auto zurückging, um etwas zu holen, lag der Kontrast sofort wieder vor mir: draußen die gespeicherte Sommerhitze, drinnen eine Temperatur, bei der der Körper endlich aufhören konnte, gegen den Tag anzukämpfen.

Trotz Sonntag fand ich in einer Seitenstraße einen Parkplatz, nur etwa fünfzig bis hundert Meter von der Unterkunft entfernt. Mehr musste der Ankunftslogistik nicht zugemutet werden. Die Sachen waren schnell im Zimmer, das Auto blieb in der Nähe, und der Vermieter hatte angekündigt, die Parkgebühren zu übernehmen. Ob das praktisch genau so laufen würde, blieb zunächst offen. Ankommen und durchatmen waren in diesem Moment wichtiger.

Casa Hermanni wurde mein Erholungsanker in Sibiu. Ruhe, stabiles WLAN, Balkon und zwei Nächte ohne die aufgestaute Hitze im Auto passten genau zu dem, was nach dieser Strecke fehlte. Die Altstadt musste nicht am ersten Abend bewältigt werden. Ein schönes Zimmer genügte, dazu die Aussicht auf einen Morgen, an dem der Rückweg noch nicht sofort beginnen musste.

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Altstadt zwischen Schönheit und großer Hitze

Am nächsten Tag ging ich durch die Altstadt von Sibiu. Hinter Durchgängen öffneten sich neue Blicke auf Plätze, Kirchen und Fassaden; kaum war ein Hausblock vorbei, wechselte die Stadt schon wieder ihre Stimmung. Der mittelalterliche Charakter blieb deutlich, doch daneben standen verschiedene Zeitepochen und Baustile. Sibiu wirkte dadurch nicht wie eine Kulisse mit einem einzigen berühmten Motiv, sondern wie eine Folge kleiner Entdeckungen.

Mal lag ein weiter Platz vor mir, mal eine enge Gasse, eine Arkade oder das Portal der Stadtpfarrkirche. Breite Straßen führten in Schatten, Fassaden wurden aus der Nähe plötzlich wichtiger als das große Stadtbild, und hinter dem nächsten Durchgang wartete wieder eine andere Perspektive. Diese Übergänge machten den Rundgang für mich zu einem der architektonischen Höhepunkte der Reise. Die Stadt musste dafür nichts erklären; sie zeigte ihre Schönheit Schritt für Schritt.

Der Zeitpunkt blieb trotzdem schwierig. Es war die heißeste Zeit des Jahres, die Straßen waren voll, und selbst eine so schöne Altstadt verlangte bei diesen Temperaturen Kraft. Nach den kühlen Gebirgsnächten war der Unterschied besonders hart. Das klimatisierte Zimmer war deshalb kein bloßer Komfort, sondern der Ort, an dem der Rundgang seine Grenze finden durfte.

Sibiu ist definitiv einen Besuch wert. Für mich bleibt es trotzdem bei diesem einen Mal. Die Stadt war wunderschön, zugleich machte der heiße Augusttag lange Wege schwer. Beides gehört untrennbar zu meiner Erinnerung: die sorgfältig hergerichteten Häuser, die Kirchen und Plätze, aber auch der Moment, in dem ein weiterer Block durch die Hitze nicht mehr nach Entdeckung, sondern nur noch nach Durchhalten aussah.

Zwei Nächte in Casa Hermanni hatten ihren Zweck erfüllt. Sibiu war ein schönes Ziel und die letzte längere Pause vor dem Rückweg durch Rumänien, Ungarn und die Slowakei. Noch vor Sonnenaufgang am nächsten Morgen begann wieder die Straße nach Norden. In der Erinnerung bleibt die Stadt gerade deshalb so klar: einmal besucht, eindrucksvoll genug für lange Gedanken und untrennbar verbunden mit diesem heißen Augusttag.

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Vor Sonnenaufgang auf den langen Weg

In Sibiu hatte ich die heißen Tage in einer klimatisierten Unterkunft verbringen können. Doch laut Wetterbericht lagen auf meiner weiteren Route noch mehrere heiße Tage vor mir. Ich konnte nicht die ganze Hitze in einem kühlen Airbnb abwarten: Irgendwann musste ich auch wieder zu Hause ankommen. Zwischen halb vier und vier Uhr morgens fuhr ich deshalb aus Sibiu los. Zwei Nächte in Casa Hermanni lagen hinter mir, vor mir lag wieder ein langer Tag auf der Straße. Zunächst blieb alles dunkel. Die Nachtfahrt war anstrengend. Erst als der Morgen die Landschaft öffnete, wurden aus den Scheinwerfern wieder Felder, Orte und die Linie der Straße. Der frühe Start machte die Strecke nicht kürzer; er setzte nur ihren Anfang weit vor Sonnenaufgang.

Mit mehreren Pausen ging es Richtung Satu Mare. Sibiu und die Karpaten verschwanden hinter mir, die Slowakei wurde zum Ziel für diesen Tag. Dazwischen lag Ungarn als Transit: ungefähr hundert Kilometer über Landstraßen, die sich streckenweise eher wie Feldwege anfühlten. Dieser Eindruck entstand aus dem Fahren selbst – aus dem wechselnden Belag, den engen Rändern und dem Tempo, das die Straße vorgab. Schnell war dieser Teil jedenfalls nicht immer.

Dazwischen lagen Halte, die den langen Tag in einzelne Atemzüge teilten: eine Kirche in Rumänien, eine Pause am Auto und ein Flussufer. Nach vielen Stunden konzentrierten Fahrens wurde aus dem bloßen Weiterkommen wieder ein kurzer Moment außerhalb des Fahrersitzes. Anhalten, aussteigen, schauen, weiterfahren – auch so fühlte sich der Rückweg an. Nicht jeder Kilometer musste sofort verschwinden, damit der Tag voranging.

Der 7. August als Heimkehrtag stand fest. Rumänien musste deshalb nicht mehr vollständig erkundet werden, und große Schleifen passten weder zum Zeitplan noch zu dem Wunsch, das Auto zum Ende der Reise zu schonen. Nach Wochen mit Küsten, Bergen, Städten und langen Straßen wurde die Aufgabe nüchterner: den Rückweg in machbare Tage teilen, Pausen ernst nehmen und aus jeder Etappe nicht mehr machen, als sie tragen konnte.

Am Ende des langen Tages erreichte ich die Slowakei und fand wieder einen Platz im Gebirge. Die weiten Landschaften des Transits lagen hinter mir, die Berge waren zurück. Am nächsten Tag wartete die Tatra-Region – landschaftlich einer der Höhepunkte der Reise, beim Fahren für mich aber keineswegs der leichteste Teil dieser Rückreise. Schon an diesem Abend war klar, dass Schönheit und Anstrengung dort wieder dicht nebeneinander liegen würden.

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Große Landschaft und eine schwere Fahrt

Teile der Hohen Tatra gehörten zu den schönsten Landschaften dieser Reise. Der polnische Teil gefiel mir dagegen überhaupt nicht. Vor allem rund um Zakopane war es mir zu zugebaut und zu überlaufen – ich fand es dort hässlich. Dazu gehörte die Fahrt durch die Region zu den schwierigsten dieser Reise für mich. Weite Sicht, Tunnel, ständige Höhenwechsel und offene Kanten verlangten mehr Kraft, als die Kilometerzahl vermuten ließ. Gipfel können einen Tag groß machen, ohne ihn leicht zu machen. Gerade in der Tatra lagen die Freude an der Landschaft und die Anstrengung am Lenkrad so eng zusammen, dass beides in derselben Erinnerung bleibt.

Vor den Bergen lagen grüne Felder, Straßen liefen durch offene Landschaft, und hinter Häusern oder Hängen tauchten immer wieder die Gipfel auf. Ein einziges Panorama könnte davon nur einen Teil tragen. Entscheidend war gerade der Wechsel: erst die Straße, dann der Blick in die Ferne, dann wieder eine Kurve, ein Tunnel oder der nächste Höhenunterschied. So entstand das Bild der Tatra nicht als Postkarte, sondern als Landschaft, durch die ich tatsächlich hindurchfuhr.

In Jurgów und Ždiar hielt ich an und nahm mir Zeit für die Umgebung. Straßenblicke wechselten mit grünen Hängen und weiten Aussichten über ein Tal. Nicht jede schöne Stelle war ein geplantes Besichtigungsziel; vieles lag einfach an der Strecke oder ergab sich aus einem kurzen Halt. Ein Berg stand hinter einem Dorf, die nächste offene Fläche gab den Blick wieder frei, und schon war die Straße selbst Teil des Erlebnisses.

Oberhalb von Zakopane wurde die Zufahrt schmal, während der Campingplatz überfüllt war. Nach dieser fordernden Fahrt passte das nicht zu einem erholsamen Ende. Diese Station musste ich kein zweites Mal erleben. Eine großartige Region und ein ungeeigneter einzelner Platz können am selben Tag nebeneinanderliegen. In der Tatra war dieser Unterschied besonders deutlich: draußen die große Berglandschaft, am Ziel eine Situation, in der Weiterfahren die bessere Entscheidung war.

Im Rückblick bleibt die Tatra deshalb doppelt stark. Die weiten Bergblicke blieben mir in Erinnerung, ebenso meine Enttäuschung über den polnischen Teil und die anstrengende Fahrt. Am nächsten Tag ging es weiter durch Polen, mit einem Familienbesuch bei Rozkochów und einem letzten Abend am See, bevor die Straße wieder nach Südbrandenburg führte. Die Gipfel blieben zurück, aber die Spannung zwischen Weite und Erschöpfung fuhr noch lange mit.

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Familienbesuch und letzter Abend am See

Im Raum Rozkochów besuchte ich nach fast vierzig Jahren meine Großcousine wieder. Wir saßen ungefähr eine Stunde zusammen und tranken Kaffee. Die Verständigung war allerdings schwierig. Mein Sorbisch und mein Russisch ließen mich im Stich; von beidem konnte ich nur noch wenig. Meine Großcousine sprach wiederum nur sehr wenig Deutsch. Also verständigten wir uns mit Händen und Füßen. Die Zeit seit dem letzten Treffen war lang, der Besuch selbst blieb bei ungefähr einer Stunde.

Nach fast vierzig Jahren hatte man sich auch abseits der Sprachprobleme nicht unbegrenzt viel zu erzählen. Für mich war das praktisch mein ganzes Leben, für sie ebenfalls fast. Wir sprachen vor allem über das, was uns beiden vertraut war: Eltern, Geschwister, Onkel und Tanten. Das waren die gemeinsamen Anknüpfungspunkte. Darüber hinaus war dann nicht mehr viel zu sagen. So war es ein kurzer Familienbesuch, nach dem ich weiterfuhr.

Etwa zwanzig Minuten später stand das Auto an einem See. Nach dem Kaffee war das der letzte Übernachtungsplatz vor dem Weg nach Hause. Ein Regenguss drückte die Außentemperatur kurz auf ungefähr einundzwanzig Grad. Im Auto blieben trotzdem etwa achtundzwanzig bis dreißig Grad. Draußen kam die Abkühlung sofort, im Wagen hielt sich die gespeicherte Wärme. Auch am letzten Abend ließ sich der Sommer nicht einfach wegwischen.

Am Wasser wurde der Tag stiller. Nach den heißen Küsten, den kühlen Höhen und den langen Straßen lag nun kein großer Besichtigungsplan mehr vor mir. Der See war der Ort für die letzte Nacht. Am Morgen blieb das Wasser noch einmal im Blick, bevor die Heimfahrt begann. So bekam die Reise vor dem letzten Fahrtag keinen lauten Höhepunkt, sondern einen ruhigen Rand.

Am folgenden Tag ging es über Falkenberg zurück nach Südbrandenburg. Zwischen dem Kaffee mit meiner Großcousine, der kurzen Strecke zum See und der Heimkehr lag nur noch der letzte Fahrtag. Die große Runde durch Südosteuropa war fast beendet. Der Familienbesuch und die letzte Nacht am See lagen nun hinter mir; am nächsten Morgen stand die Heimfahrt an.

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6.009,2 Kilometer und wieder zu Hause

Am 7. August endete die Reise wieder zu Hause in Südbrandenburg. Vor der endgültigen Heimkehr lag noch der Abstecher nach Falkenberg. Er war kein zusätzliches Kilometerziel, sondern gehörte einfach zu diesem letzten Tag. Danach schloss sich die große Runde: von Südbrandenburg durch Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Rumänien nach Bulgarien, weiter an die Ägäis und über das Schwarze Meer und die Karpaten zurück nach Norden.

Der Tacho zeigte 6.009,2 Kilometer. Vom Aufbruch am 16. Juli bis zur Rückkehr am 7. August waren es dreiundzwanzig Reisetage. Hinter dieser Zahl lagen nicht nur Straßen, sondern kühle Gebirgsnächte, heiße Küsten, Wanderungen, Pausen am Wasser, freie Plätze im Gebirge, Campingplätze und zwei Nächte in einem Zimmer in Sibiu. Jeder Teil verlangte eine andere Entscheidung.

Die letzten Kilometer machten diese Vielfalt nicht kleiner. Donau, Vratsa-Balkan, Sofia, Rila, Rhodopen, Ägäis, Schwarzes Meer und Karpaten waren keine gleichförmige Schleife. Straßen wechselten ihren Charakter, Temperaturen sprangen zwischen Sommerhitze und Bergkühle, und ein guter Schlafplatz war einmal ein Schattenplatz, einmal ein Bach, einmal ein klimatisiertes Zimmer. Die Rückkehr trug all diese Gegensätze bis vor die Haustür.

Zu Hause lief zuerst die Waschmaschine. Ich räumte den ersten Teil des Autos aus, begrüßte den Kater und kochte Kaffee. Die Wohnung war warm, und nach der langen Abwesenheit fühlte sich selbst dieser vertraute Raum zunächst noch wie ein weiterer Ort an, an den ich zurückfinden musste. Im Briefkasten lagen erstaunlich wenige Dinge: nur zwei Briefe. Was darin stand, prüfte ich bei der Ankunft noch nicht.

Mit der Heimkehr war die Fahrt beendet, aber nicht auf einen Tachostand zusammengeschrumpft. Hinter den 6.009,2 Kilometern lagen schöne Orte, mühsame Straßen, spontane Pausen, falsche und richtige Stellplatzentscheidungen, Kaffee am See und ein Wiedersehen nach fast vierzig Jahren. Am 7. August war ich wieder in Südbrandenburg. Die große Reise war vorbei – ihre einzelnen Tage blieben klar genug, um noch lange weiterzufahren.

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